Essen ist weit mehr als reine Nahrungsaufnahme. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gehört die Ernährung seit Jahrhunderten zu den tragenden Säulen, neben Akupunktur, Kräuterheilkunde und Bewegungsformen wie Qigong. Der Gedanke dahinter ist einfach und alltagsnah zugleich: Was wir täglich essen, begleitet unseren Körper und kann ihn auf sanfte Weise unterstützen. In der Praxis TCM-Zhao in St. Gallen verstehen wir Ernährung als ergänzenden Baustein, nicht als Ersatz für ärztliche Behandlung oder eine fachliche Ernährungsberatung.
Warme und kühlende Lebensmittel: die thermische Wirkung
Ein zentraler Gedanke der TCM-Ernährungslehre ist die sogenannte thermische Wirkung von Lebensmitteln. Damit ist nicht die Temperatur auf dem Teller gemeint, sondern die Wirkung, die einem Nahrungsmittel im Körper zugeschrieben wird. Manche Speisen gelten traditionell als eher wärmend, andere als eher kühlend oder neutral.
Ingwer, Zimt, gekochte Suppen oder Lammfleisch werden in der TCM als wärmend eingeordnet. Gurke, Melone, viele Rohkostsalate oder grüner Tee gelten dagegen als kühlend. Diese Einteilung ist kein starres Regelwerk, sondern eine Orientierung. Wer rasch friert, fühlt sich oft mit warmen, gekochten Mahlzeiten wohler, während andere Menschen kühlende Speisen besser vertragen. Es geht also nicht um richtig oder falsch, sondern um ein achtsames Hinspüren, was dem eigenen Körper guttut.
Die fünf Elemente und die Geschmacksrichtungen
Die TCM ordnet Lebensmittel ausserdem fünf Elementen und fünf Geschmacksrichtungen zu: sauer, bitter, süss, scharf und salzig. Jeder Geschmack wird traditionell mit bestimmten Organsystemen und Qualitäten verbunden. Das Ziel ist nicht, einen Geschmack zu meiden oder einen anderen zu bevorzugen, sondern über die Vielfalt eine gewisse Ausgewogenheit zu finden.
In der Praxis bedeutet das oft schlicht: möglichst abwechslungsreich essen und nicht einseitig immer dasselbe wählen. Eine bunte, vielseitige Küche deckt von ganz allein viele Geschmacksrichtungen ab und entspricht damit dem Grundgedanken der fünf Elemente.
Ernährung passend zur Jahreszeit
Ein weiterer Grundsatz der TCM ist es, sich im Essen am Lauf der Jahreszeiten zu orientieren. Die Natur liefert zu jeder Zeit das, was gerade passt, und genau darauf baut die traditionelle Ernährungslehre.
- Im Winter rücken wärmende, gekochte Speisen in den Vordergrund: Suppen, Eintöpfe, Wurzelgemüse und wärmende Gewürze wie Ingwer oder Zimt.
- Im Sommer dürfen leichtere, kühlende und frischere Speisen einen grösseren Raum einnehmen, etwa saftige Früchte und zarte Gemüse.
- Im Frühling passen junge, frische Zutaten, im Herbst eher nährende und sammelnde Speisen, die auf die kühlere Zeit vorbereiten.
Saisonal und regional einzukaufen ist damit nicht nur aus ökologischer Sicht sinnvoll, sondern entspricht auch dem Geist der TCM, in dem der Mensch als Teil der ihn umgebenden Natur gesehen wird.
Einfache Tipps für den Alltag
Das Schöne an der TCM-Ernährung ist, dass sich vieles ohne grossen Aufwand in den Alltag einfügen lässt. Es braucht keine strengen Vorschriften und keine ausgefallenen Zutaten. Oft genügen kleine Anpassungen, die mit der Zeit zur Gewohnheit werden.
- Ein warmes Frühstück, zum Beispiel ein gekochter Getreidebrei (Congee), kann gerade in der kalten Jahreszeit ein guter Start in den Tag sein.
- Im Winter darf gekochtes Essen Vorrang vor viel Rohkost haben, da Gekochtes als bekömmlicher und wärmender gilt.
- In Ruhe und ohne Hektik zu essen, gut zu kauen und auf das Sättigungsgefühl zu achten, wird in der TCM seit jeher empfohlen.
- Ausreichend warme Getränke wie Wasser oder ungesüsster Tee können die kalten Tage angenehm begleiten.
Solche Gewohnheiten sind als sanfte Begleitung gedacht, nicht als Diät und nicht mit einem Versprechen auf bestimmte Ergebnisse verbunden. Sie laden vielmehr dazu ein, mit etwas mehr Bewusstsein und Freude zu essen.
Individuell statt pauschal
So hilfreich allgemeine Grundsätze sind, in der TCM steht stets der einzelne Mensch im Mittelpunkt. Konstitution, Lebensumstände, Jahreszeit und persönliches Empfinden spielen zusammen. Was der einen Person guttut, muss für eine andere nicht passend sein. Aus diesem Grund lassen sich pauschale Empfehlungen immer nur als erste Orientierung verstehen.
Wenn Sie neugierig geworden sind, wie eine Ernährung im Sinne der TCM zu Ihrer Situation passen könnte, sind Sie herzlich eingeladen, dies in einem persönlichen Erstgespräch in der Praxis TCM-Zhao in St. Gallen zu besprechen. Dr. Jiangong Zhao bringt über 39 Jahre Erfahrung in der Traditionellen Chinesischen Medizin mit und nimmt sich gerne Zeit, gemeinsam mit Ihnen in Ruhe zu schauen, was im Alltag stimmig sein kann. Die TCM versteht sich dabei stets als Komplementärmedizin, die eine ärztliche Behandlung oder Ernährungsberatung sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen kann.

